Montag, 19. September 2016

Photoszene Köln: John Heartfield und die Arbeiterfotografie

Ein Screenshot der Website der Galerie Arbeiterfotografie zeigt prominente Arbeiten von John Heartfield © Galerie Arbeiterfotografie, John Heartfield, Akademie der Künste Berlin

Der September ist alle zwei Jahre Photokina-Monat. Das Photoszene Köln Festival präsentiert rund um den Fotomessemonat an über 100 Orten im Kölner Stadtraum Ausstellungen von moderner und zeitgenössischer Fotokunst. Heute stellen wir im Rahmen der Reihe ‚klein aber fein‘ weniger prominente Kunstorte wie die Kölner Galerie Arbeiterfotografie vor.

‚Antikunst. Antikrieg. Dada. 1916 ist Gründungsjahr der Künstlergruppe Dada, die Antikunst als Waffe gegen den Ersten Weltkrieg einsetzen will. John Heartfield ist Monteurdada', wirbt die Galerie Arbeiterfotografie für ihre aktuelle Ausstellung anlässlich des Internationalen Photoszene Köln Festivals.

Pionierarbeit an der Schnittstelle zwischen Kunst und Medien

 
In Zentrum der Ausstellung stehen die berühmten Fotomontagen des umtriebigen deutscher Künstlers John Heartfield, der u.a. als Maler, Grafiker, Fotomontagekünstler und Bühnenbildner tätig war. Doch aufgrund seiner avantgardistischen Arbeiten an der Schnittstelle zwischen Kunst und Medien gilt Heartfield heute vor allem als einer der bedeutendsten Erfinder der politischen Fotomontage.

Anfang 1919 erhält John Heartfield von Rosa Luxemburg sein KPD-Parteibuch. Und ab 1930 gestaltet er seine heute ikonenhaften Fotomontagen gegen den NS-Staat für die Titelseiten der Arbeiter-Illustrierten-Zeitung. Seit 1926 ist das aktuell mit der Berliner Gordon Parks Ausstellung verbundene Motto von der Fotografie als Waffe Leitspruch der Vereinigung der Arbeiterphotographen Deutschlands.

Hintergrund
 

Die sozialdokumentarische Fotografie entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und wird als ein Vorläufer der Arbeiterfotografie angesehen. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen der damals sogenannten ‚arbeitenden Klasse‘ waren erstmals in der u.a. von Henry Mayhew und John Brinny herausgegebenen Veröffentlichung ‚London Labour And The London Poor‘ Gegenstand der Fotografie.

Weitere sozialdokumentarische Fotografen waren Jacob August Riis, der in den 1880er Jahren die Lebensbedingungen von Arbeits- und Obdachlosen in New York dokumentierte und 1890 seine Werke in dem wegweisenden Band ‚How the Other Half lives‘ publizierte.  Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur in den USA grassierende Kinderarbeit war zentrales Thema von
Lewis Wickes Hine.  

Gegen Ende der 1920er, während der weltweiten Depression wurden Fotografen wie Dorothea Lange und Walker Evans mit ihren Dokumentation des amerikanischen Farmsterbens für die Farm Security Association (FSA) bekannt. In Deutschland ist August Sander der bekannteste Fotograf, der in seinem epochalen Bildatlas ‚Menschen des 20. Jahrhunderts‘ den Blick auf das Soziale richtete.


Eine zeitgenössische Position aus der Kölner Ausstellung Die Kunst ist tot - John Heartfield und die Arbeiterfotografie © Galerie Arbeiterfotografie

Zurück in die Zukunft? Frappierende Aktualität…
 

Aktuell ist in Berlin eine Ausstellung des US-Fotografen Gordon Parks zu sehen. Er gilt als eine der Ikonen der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Auch für ihn war die Kamera eine Waffe, ein Mittel, um den Blick auf problematische Zustände und Tendenzen der US-amerikanischen Gesellschaft zu lenken und so die Spaltung dieser zu thematisieren. Die Berliner Ausstellung Gordon Parks. I am you. Selected Works 1942 – 1978 zeigt Bilder, die verblüffende Parallelen zum heutigen Amerika aufzeigen.

Fazit: Ein Blick auf die Collagen Heartfields, die Portraits Sanders oder die Dokumentationen Parks veranschaulicht die These von der Moderne als ein nicht abgeschlossenes Projekt. Die Aktualität der künstlerischen Positionen ist frappierend, die Parallelen zu aktuellen Diskussionen und Krisen ernüchternd.


Service

Galerie Arbeiterfotografie 
Die Kunst ist tot - Montagen von John Heartfield und Arbeiterfotografie
Ausstellung im Rahmen der Internationalen Photoszene 2016
noch bis zum bis 27. September
 

Öffnungszeiten 
Mi + Do 19 - 21 Uhr, Sa 11 - 14 Uhr und nach Vereinbarung, hier
Sonderöffnungszeiten / Internationale Photoszene Köln
Fr 23. September, 19 - 21 Uhr und Sa + So 24./25. September, 11 - 16 Uhr

 
Links
- die Website der Galerie Arbeiterfotografie, hier 
- die Website der Internationalen Photoszene Köln, hier 
- kunstlich.com über die Sammlung Daniela Mrázkowá (2010), hier  
- die Kamera als Waffe - Fotos von Gordon Parks in Berlin, hier 
- Arbeiterfotografie in der Deutschen Fotothek, hier

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